nennt mich ewiggestrige.
eines meiner beiden fächer für die diplomprüfung ist die mediengeschichte, unter spezieller beachtung der entnazifizierung und der medienentwicklung nach 1945. an sich etwas brutal interessantes - weil das alles bereits in lebzeiten von meinen opas, meinen omas, meiner mama, meinem papa, deren freunden usw. passiert ist (ok, mama nicht ganz, die war bei der generalamnestie der minderbelasteten grad mal zwei monate alt). aber nie habens drüber gredet. ich weiss auch nicht, ob ich mit meinem opa nicht drüber reden kann, weil ER es nicht kann oder weil ICH es nicht kann (weil ich ihn nicht vom sockel des besten opas der welt, der immer alles richtig gemacht hat, stoßen will. weil als arzt so ziemlich die gesamte ostfront von norwegen bis südrussland mitmachen, da KANN man nicht alles richtig - im heutigen sinne - gemacht haben...). aber darauf will ich jetzt gar nicht hinaus.
sondern auf den punkt, dass die ärgsten kriegsverbrecher, so richtige bilderbucharschlöcher - ss-, sa-, und sd-leithammeln, politische, wissenschaftliche, medizinische undwasweissichnoch "führungspersönlichkeiten" (war eh alles unter der "ägide" des politischen) zwar alle massengerecht medial ausgeschlachtet zu hohen gefängnisstrafen von durchschnittlich 20 jahren verurteilt wurden, mit berufsverboten und anderen boycotten belegt wurden - ausnahmslos alle nach maximal 5 jahren zumindest auf freiem fuss, wenn nicht sogar wieder in amt und würden waren. dass die gefängniszellen der spiegelgrund-ärzte 1947 ohne gewalteinwirkung offen standen und man nie wieder etwas von ihnen hörte. dass das publizistik-institut in wien nach 1945 von einem ehemaligen nsdap- und ss-mitglied geleitet wurde (dessen mitgliedschaft erst in den 90ern nachgewiesen werden konnte). die liste liesse sich endlos lang forsetzen...
aber am entsetzlichsten find ich die reaktionen derer, denen ich das in angewidertem bis fassungslosem tonfall erzähle. da kommt nämlich in einer tour nur ein "wunderts dich? ernsthaft?" ...
sondern auf den punkt, dass die ärgsten kriegsverbrecher, so richtige bilderbucharschlöcher - ss-, sa-, und sd-leithammeln, politische, wissenschaftliche, medizinische undwasweissichnoch "führungspersönlichkeiten" (war eh alles unter der "ägide" des politischen) zwar alle massengerecht medial ausgeschlachtet zu hohen gefängnisstrafen von durchschnittlich 20 jahren verurteilt wurden, mit berufsverboten und anderen boycotten belegt wurden - ausnahmslos alle nach maximal 5 jahren zumindest auf freiem fuss, wenn nicht sogar wieder in amt und würden waren. dass die gefängniszellen der spiegelgrund-ärzte 1947 ohne gewalteinwirkung offen standen und man nie wieder etwas von ihnen hörte. dass das publizistik-institut in wien nach 1945 von einem ehemaligen nsdap- und ss-mitglied geleitet wurde (dessen mitgliedschaft erst in den 90ern nachgewiesen werden konnte). die liste liesse sich endlos lang forsetzen...
aber am entsetzlichsten find ich die reaktionen derer, denen ich das in angewidertem bis fassungslosem tonfall erzähle. da kommt nämlich in einer tour nur ein "wunderts dich? ernsthaft?" ...
nunette - 17. Jan, 23:17
silmanja - 17. Jan, 23:40
ich kann dir nur empfehlen - probiere es mit deinem großvater zu reden - ich habe meiner oma - wenige zaghafte fragen gestellt - und mich später sehr geärgert die gelegenheit versäumt zu haben - ich glaube, dass es oft auf den ton, die wertschätzung und das verständnis ankommt, die derartige gespräche für beide seiten gut machen kann.....
nunette - 17. Jan, 23:44
ich hab mir irgendwann mal, nachdem ich argumentativ komplett abgesoffen bin (rhetorisch bin ich einfach das enkerl meines opas, der argumentiert jeden an die wand), geschworen, mit ihm nie wieder über politik zu diskutieren. weil er so derartig viele vorbehalte über "die grünen und die anderen linken" (aber selbst längste zeit rotwähler, jaja!!) hat, dass er bei mir schon voraussetzt, ich pranger ihn an. selbst wenn ich das nicht tu.
silmanja - 17. Jan, 23:49
politische diskussionen sind da sicher nicht so gut - (ich diskutiere mit meiner nazitante auch nicht) - aber ich lasse mir manchmal etwas von ihr erzählen - es sind halt sichtweisen und zeitzeugen...... aber diskutieren brrrrr
mein opa war übrigens illegaler nazi und später kommunist....
mein opa war übrigens illegaler nazi und später kommunist....
nunette - 18. Jan, 00:01
es läuft nur leider immer darauf raus.
silmanja - 18. Jan, 00:11
ja das ist wohl die krux - lange zeit läuft es immer darauf hinaus.... da kommt dann einfach zuviel zusammen......
OhBehave - 18. Jan, 10:42
und trotzdem kein senf bei mir, schämen sie sich! :)
ja, sorry ;-) Aber mir war gestern nicht nach Vergangenheitsbewältigung und Politik.
Wenn du schon so schön in Übung bist, dann kannst dich des Themas "EntSTASIfizierung und Medienentwicklung nach 1989" ja auch annehmen? Aber Stasi interessiert dich als Österreicherin wohl nicht so?
ja, sorry ;-) Aber mir war gestern nicht nach Vergangenheitsbewältigung und Politik.
Wenn du schon so schön in Übung bist, dann kannst dich des Themas "EntSTASIfizierung und Medienentwicklung nach 1989" ja auch annehmen? Aber Stasi interessiert dich als Österreicherin wohl nicht so?
nessy - 18. Jan, 11:23
Das hab ich schon in meiner Magisterprüfung gemacht: "Die Medienwende - DDR-Presse nach dem Mauerfall". Das Thema ist durch.
nunette - 19. Jan, 01:51
als österreicherin nicht so, als zeitgeschichtestudentin und trotzdem zeitgeschichteinteressierte sehr! mal schaun, wann mir das thema mal übern weg läuft!
nessy: klingt spanned! ehrlich!
nessy: klingt spanned! ehrlich!
die_launische - 18. Jan, 19:20
die spirale des schweigens!
ja, ein wirklich ekeliges thema. und ich konnte es lange auch nicht fassen. mittlerweile sag ich aber auch, wundert's dich?
nunette - 19. Jan, 01:52
noelle neumann. lies mal deren bio.
JA VERDAMMT!
JA VERDAMMT!
die_launische - 19. Jan, 08:51
lies mal ronnebergers bio.
JA VERDAMMT!
JA VERDAMMT!
nunette - 19. Jan, 09:41
ronneberger, d´ester, paupié.....alles dasselbe
die_launische - 19. Jan, 13:25
ja, ein wirklich ekeliges thema.
immerhin wurde es in den letzten jahren zunehmend thematisiert. ist auch was.
immerhin wurde es in den letzten jahren zunehmend thematisiert. ist auch was.
kontaktlinse - 18. Jan, 23:45
möchte nur gerne wissen was mein opa in der waffen-ss gemacht hat. wenn man ihn fragt kommen immer die gleichen "entschuldigungen" und unzusammenhängende geschichten raus. und meist erzählt er dann von seiner "tollen" kriegsgefangenschaft bei den amerikanern. es gibt über mitglieder der nsdap ein archiv in berlin, (bei dem ist opas namen erwähnt) nur leider bekommt man keinen zugriff auf die akten, wenn der noch-lebende verwandte nicht seine einwilligung gibt.
im übrigen war mein opa schon im untergrund tätig, als die nsdap in österreich noch verboten war. manchmal würde ich gerne mehr wissen.
im übrigen war mein opa schon im untergrund tätig, als die nsdap in österreich noch verboten war. manchmal würde ich gerne mehr wissen.
nunette - 19. Jan, 01:52
ich auch...
la fille rousse - 19. Jan, 10:21
ich kenne nur einen menschen der mir erzählt hat dass seine großeltern begeisterte nazis waren. alle anderen ... tja, ich weiß auch nicht. wenn niemand dabei und keiner dafür war hätte die zeit damals wohl anders ausgesehen, also kann das einfach nicht sein. ich denke, die meisten (großeltern) wollen nicht zugeben, mitgemacht zu haben. oder in den familien wird einfach nicht darüber geredet. klar, zuerst machen alle mit und dann wills keiner gewesen sein. unglaublich. daher freu ich mich beinahe, hier kommentare über die nazi-vergangenheit der eigenen großeltern zu lesen - das ist wenigstens ehrlich.
meine großeltern (mütterlicherseits) haben erzählt, dass sie nicht "dabei" waren, höchstens auf dem blatt. mein großvater war denen angeblich eh nicht vertrauenswürdig genug oder so was, was weiß ich, weil er der sohn eines pfarrers war (genaueres habe ich leider vergessen). ich möchte es gern glauben.
von der seite meines vaters weiß ich nichts darüber. der opa starb lange bevor ich auf die welt kam, und zur oma hatte ich keinen guten draht. meinen vater nach ihnen zu fragen, das ... geht irgendwie nicht.
meine großeltern (mütterlicherseits) haben erzählt, dass sie nicht "dabei" waren, höchstens auf dem blatt. mein großvater war denen angeblich eh nicht vertrauenswürdig genug oder so was, was weiß ich, weil er der sohn eines pfarrers war (genaueres habe ich leider vergessen). ich möchte es gern glauben.
von der seite meines vaters weiß ich nichts darüber. der opa starb lange bevor ich auf die welt kam, und zur oma hatte ich keinen guten draht. meinen vater nach ihnen zu fragen, das ... geht irgendwie nicht.
http://dertagebuch.twoday.net/stories/3177305/